Communiqué 11.7.2020

Exit Racism Now: Eine schweizweite Allianz, fordert ein Ende des Rassismus in der Schweiz

Bern – Heute, am 11.Juli 2020, fand um 14:30 Uhr in Bern vor dem Bundeshaus eine Protestaktion der Kampagne «Exit Racism Now!» statt. 250 Schwarze, BIPoc und weisse Menschen sind zusammengekommen, um an einer Flashmob-Aktion teilzunehmen und ihre politischen Forderungen in der politischen Hauptstadt zu platzieren.

«Exit Racism Now!» ist eine Allianz von über 25 Organisationen und Instituten, die dem Rassismus in der Schweiz ein Ende setzen wollen.

Nach einer schweizweit koordinierten Aktion am letzten Samstag (4.7.) an der in 7 verschiedenen Städten gleichzeitig ein Flashmob gegen Rassismus in der Schweiz stattgefunden hat, haben sich heute ca 250 Menschen in Bern versammelt um in einer gemeinsam Protestaktion sieben Forderungen als erste konkrete Massnahmen für ein Ende des Rassismus in der Schweizer Hauptstadt zu deklarieren.

Rund 25 Organisationen haben sich in einer Allianz zusammengefunden und sieben Forderungen erarbeitet, die es nun durch die Entscheidungsträger:innen in Politik, Wirtschaft und Bildung zu erfüllen gilt:

  • Wir fordern eine unabhängige Beschwerdestelle bei Polizei- und Behördengewalt.
  • Antirassismus-Stellen bei Bund, Kantonen und Städten müssen von BIPOC besetzt sein.
  • Die Schweiz äussert sich offiziell zur eigenen Beteiligung am Kolonialismus und der Apartheid und integriert diese als Bestandteil des Unterrichtsmaterials an Schulen.
  • Entfernung aller Statuen und Umbenennung aller Strassen, Berge und Plätze, die eine Referenz an rassistische/koloniale Figuren aufweisen.
  • Stopp der rassistischen, unmenschlichen und kriminalisierenden Ausschaffungs- und Abschottungspolitik in der Schweiz und an den Grenzen der Festung Europas
  • Stopp der tagtäglichen Diskriminierung von BIPOC: Bei der Arbeitssuche, Wohnungssuche, in Schule und Kindergarten, am Arbeitsplatz, im Gesundheitswesen …

Flashmob Performance auf dem Bundesplatz, Bern

In den Händen und auf den T-Shirts die Namen von in den letzten Jahren durch Polizeigewalt in der Schweiz (12) und im Ausland verstorbenen haben sich während 8:46 Minuten, Schwarze, BIPOC und weisse Menschen zusammen, nebeneinander am Boden gelegt, um den Verstorbenen und auch den Menschen, die tagtäglich Rassismus erleiden, zu gedenken. «Dieser Moment, 8:46 wie George Floyd am Boden zu liegen, war beeindrucken», erzählt Thomas Asemota von der Plattform für Menschen Afrikanischen Erbes – Sankofa . «Bewusst zu werden, wie lange und grausam dieser Mord gewesen ist. Unglaublich erst hier an der Demo zu erfahren, dass wir auch in der Schweiz unsere ‚Georg Floyds‘, unsere Todesfälle aufgrund von Polizeigewalt haben»

Danach stellten sich die Menschen mit einem Knie auf dem Boden und erhobener Faust auf der Black Live Matter Pose gegen Rassismus und die 7 Forderungen der «Exit Racism Now!»-Allianz wurden laut in verschiedenen Sprachen vorgelesen. Zum Schluss sind alle aufgestanden und haben lauthals «Black Lives Matter» / «No justice, no peace» / «Exit Racism Now!», der neue Slogan der Bewegung, gerufen. Spontan ist ein Lied von Bob Marley «Get Up Stand UP» von allen eingestimmt worden. «Der Bundesplatz ist von einer wunderbaren Energie erfüllt worden!» Dann hat der Flashmob sich aufgelöst.

Diese Protestaktion konnte ohne Problem durchgeführt werden. «Ich bedanke mich bei allen Teilnehmer:innen, dass sie sich friedlich verhalten und auch an die Corona-Maskenpflicht gehalten haben» Dayan Wodlu , Koordinaotrin von Exit Racism Now! in Bern. «Ebenfalls bedanke ich mich bei der Berner Polizei für die gute Zusammenarbeit.»

«Die Geschichte der Schweiz ist eng mit der Geschichte von Rassismus verknüpft. Die Schweiz gehört zu den meistbeteiligten Nationen am Sklavenhandel und Kolonialismus und hat massgeblich wirtschaftlich hier von profitiert. Diese Geschichte muss aufgearbeitet und in den Schulen unterrichtet werden. Wir waren und sind nicht unbeteiligt an der globalen Ungleichheit, in der wir leben.» Mandu dos Santos Pinto Ko-Koordinator Exit Racism Now! «Diese Geschichte muss aufgearbeitet werden und an den Schulen gelehrt werden, damit wir morgen, gemeinsam in eine Rassismus freie Zukunft starten können!»