Communiqué 4.7.2020

Exit Racism Now: Eine schweizweite Allianz, fordert ein Ende des Rassismus in der Schweiz

Schweiz — Heute, am 4.Juli 2020, fand gleichzeitig um 14 Uhr in 7 verschiedenen Städten der Schweiz eine Protestaktion der Kampagne «Exit Racism Now!» statt. Schwarze, BiPoc und weisse Menschen sind zusammengekommen, um an einer Flashmobb-Aktion teilzunehmen und ihre politischen Forderungen in der Gesellschaft zu platzieren. «Exit Racism Now!» ist eine Allianz von über 25 Organisationen und Instituten, die dem Rassismus in der Schweiz ein Ende setzen wollen.

Spätestens seit den massiven Demonstrationen auch in der Schweiz, die als Antwort auf den grausamen Tod von George Floyd folgten, ist nun allen klar: auch in der Schweiz haben wir ein Rassismus-Problem. Wie aber können wir in der Gesellschaft einen Schritt weitergehen, um dem Rassismus in der Schweiz zu beenden?

Rund 25 Organisationen haben sich dieser Frage angenommen und haben in einem ersten Schritt sieben Forderungen erarbeitet, die es nun durch die Entscheidungsträger:innen in Politik, Wirtschaft und Bildung zu erfüllen gilt:

  • Wir fordern eine unabhängige Beschwerdestelle bei Polizei- und Behördengewalt.
  • Antirassismus-Stellen bei Bund, Kantonen und Städten müssen von BPOC besetzt sein.
  • Die Schweiz äussert sich offiziell zur eigenen Beteiligung am Kolonialismus und der Apartheid und integriert diese als Bestandteil des Unterrichtsmaterials an Schulen.
  • Entfernung aller Statuen und Umbenennung aller Strassen, Berge und Plätze, die eine Referenz an rassistische/koloniale Figuren aufweisen.
  • Stopp der rassistischen, unmenschlichen und kriminalisierenden Ausschaffungs- und Abschottungspolitik in der Schweiz und an den Grenzen der Festung Europas
  • Stopp der tagtäglichen Diskriminierung von BIPOC1 (Arbeitssuche, Wohnungssuche, in Schule und Kindergarten, am Arbeitsplatz, im Gesundheitswesen…).

«Die Geschichte der Schweiz ist eng mit der Geschichte von Rassismus verknüpft. Die Schweiz gehört zu den meistbeteiligten Nationen am Sklavenhandel und Kolonialismus und hat massgeblich wirtschatlich davon profitiert. Diese Geschichte muss aufgearbeitet und in den Schulen unterrichtet werden. Wir waren und sind nicht unbeteiligt an der globalen Ungleichheit, in der wir leben.»

Flashmobb Performance – friedlich – und eindrucksvoll

In kleinen Gruppen von 10-70 als auch in grösseren Gruppierungen von bis zu 300 Personen sind in den Städten Aarau, Basel, Luzern, Lausanne, Genf, Winterthur und Zürich Aktivist:innen und Unterstützer:innen zusammengekommen, um mit einer Flashmobb-Performance ein friedliches Zeichen gegen Rassismus zu setzen.

In den Händen und auf den T-Shirts die Namen von in den letzten Jahren durch Polizeigewalt in der Schweiz (13) und im Ausland verstorbenen haben sich während 8:46 Minuten, Schwarze, BIPOC und weisse Menschen zusammen, nebeneinander am Boden gelegt, um den Verstorbenen und auch den Menschen, die tagtäglich Rassismus erleiden, zu gedenken. «Dieser Moment, 8:46 wie George Floyd am Boden zu liegen, war sehr emotional», erzählt Sandrine Oyeyi vom Collectif Afro-Swiss in Genf. «Bewusst zu werden, wie lange und grausam dieser Mord gewesen ist. Dabei kamen uns allen die Bilder von selbst erlebtem Rassismus wieder hoch!»

Danach stellten sich die Menschen mit einem Knie auf dem Boden und erhobener Faust auf der Black Live Matter Pose gegen Rassismus und die 7 Forderungen der «Exit Racism Now!»-Allianz wurden laut vorgelesen. Zum Schluss sind alle aufgestanden und haben lauthals «Black Lives Matter» / «No justice, no peace» / «Exit Racism Now!», der neue Slogan der Bewegung, gerufen. Dann hat der Flashmobb sich aufgelöst.

«Es erfüllt mich mit Genugtuung und Stolz, die Kraft unsere Bewegung schweizweit entwickelt hat! Die Tatsache jedoch, dass junge Aktivist:innen, die sich exponieren und mutig gegen die stetigen Ausbrüche dieser Gesellschaftskrankheit Rassismus antreten,deswegen Repression erfahren. Einige müssen sich sogar um ihren Arbeitsplatz fürchten. Es widert mich an, ist un-schweizerisch und absolut inakzeptabel!» proklamierte Joely Tafanalo von POC Luzern nach den Forderungen. «Liebe weisse Freunde, bitte zeigt Zivil-Courage! Gemeinsam weisen wir diese Ewiggestrigen in die Schranken. Exit Racism Now!»

Diese friedliche Protestaktion konnte ohne Problem in allen genannten Städten durchgeführt werden. «Ich bedanke mich bei allen Teilnehmer:innen, dass sie sich friedlich verhalten und auch an die Corona-Maskenpflicht gehalten haben» Elisa da Costa, Ko-Koordinaotrin von Exit Racism Now! in Zürich. «Ebenfalls bedanke ich mich bei der Polizei, die in allen Städten sehr kooperativ gewesen ist.»

Eine Allianz gegen den Rassimus in der Schweiz

«Exit Racism Now!» besteht aus einer Allianz von rund 25 Organisastionen und Institutionen schweizweit, die mit dieser Protestaktion den Start für eine Kampagne initiiert haben, um dem Rassismus in der Schweiz ein Ende zu setzen. «Die gesamte Schweizer Gesellschaft steht gerade auf, ob Schwarz, BIPOC oder weiss, um zusammen gegen den Rassimus einzustehen. Es sind mutige Mütter, Väter, Schüler:innen, Studenten:innen, Arbeiter:innen, Aktivist:innen, Akademiker:innen, Bürger:innen, die diese Aktion überhaupt möglich gemacht haben und» sagt Mandu dos Santos Pinto – Ko-Koordinator von Exit Racism Now! «zusammen gehen wir diesen Schritt – in eine Rassismus freie Zukunft!»

Folgende Organisationen unterstützen die Foderungen von «Exit Racism Now!».

  • African Diaspora Council of Switzerland
  • Afro-Basel
  • Allianz gegen Racial Profiling
  • ASZ – Autonome Schule Zürich
  • Augenauf
  • BFS Zürich
  • BIPOC / WOC Kollektiv Zürich
  • Bla*Sh Netzwerk Schwarze Frauen
  • Black Panter Party Reloaded
  • Collectif Africain Suisse
  • Collectif Afro-Swiss
  • Collectif Antiraciste
  • CRAN
  • Dachstock Reitschule, Bern
  • Eritreischer Medienbund
  • Eritreischer Medienbund
  • Faites des Vagues
  • Lauf gegen Rassismus
  • Linke POC / Migrantifa
  • NCBI
  • Sankofa | Plattform für Menschen Afrikanischen Erbes
  • Solinetz
  • SPAZ
  • Swiss African Forum
  • Vater sein in der Schweiz
  • ZONGO Union

1Black Indigenous and People of Colour